Otto Pankok

Otto Pankok (1893 - 1966)

wurde als jüngstes Kind einer Arztfamilie in Saam geboren. Schon früh wurde sein außerordentliches Talent sichtbar, jedes Ding in der Natur und zunehmend die menschliche Physiognomie reizten ihn bereits als Jugendlichen zu seinen charakteristischen Bleistiftzeichnungen.

Auf einer Studienreise nach Holland sah Pankok in Dordrecht eine Ausstellung mit Handzeichnungen Vincent van Goghs. Van Gogh und Rembrandt wurden zu seinen Vorbildern und bestärkten ihn in seiner Haltung, dass der Künstler wahrhafte Schildungen des Lebens zu geben habe.

Der junge Otto Pankok begann nach dem Abitur im Jahre 1912 ein Kunststudium an der Akademie Düsseldorf, das er jedoch nach 6 Wochen abbrach. An der Kunstakademie Weimar geriet er gleich am ersten Tag mit dem Professor Fritz Mackensen aneinander und hielt es auch bei seinem Lehrer Albin Egger-Lienz in der Akt- und Portraitklasse nur ein Semester lang aus.

Nach 7 Monaten beendete er im März 1913 sein Kunststudium kam auf dem Weg nach Holland nach Dötlingen, wo er versuchte, dem Anspruch van Goghs in der künstlerischen Abgeschiedenheit nahe zu kommen. Mit ihm kamen die befreundeten Maler Carl Lohse und Herrmann Hundt.

Bereits im Sommer 1913 kaufte Otto Pankok mit finanzieller Unterstützung durch die Großmutter einen reetgedeckten Spieker, den er im September beziehen konnte. Nun setzte er seine Suche nach dem Wesen des Menschlichen bei armen, verhärmten Tagelöhnerinnen und Knechten fort. Sie wurden seine bevorzugten Modelle für die großformatigen Kohlezeichnungen. Vor allem die Postbotin Adeline Stöver und Menkens Trine wurden von ihm bei ihren alltäglichen Verrichtungen portaitiert.

Wiedergegeben hat er sie in ihrer Stube seitlich auf einem Binsenstuhl sitzend, wobei das Licht nur auf das verhärmt geneigte Gesicht und die über den Knien gekreuzten verarbeiteten Händen fällt, eine Arme und Ausgestoßene, der sein brüderliches Mitgefühl gilt.

Seine Bilder wollen den Blick auf das triste Los der benachteiligten Menschen richten. Voller emotionaler Anteilnahme und respektvoller Nähe bannt er mit dem Kohlstift das Wesen dieser verbitterten, vom Leben gezeichneten oder weinenden Frauen und Männer auf Papier.

Die romantische Landschaft des Huntetales, die noch 1909 Bernhard Müller vom Siel oft als Motiv angenommen hatte, spielte in Otto Pankoks Dötlinger Werk keine Rolle.

Bereits im Herbst 1913 wurde die Oldenburger Kunstwelt auf den jungen Dötlinger Maler aufmerksam. Der Kunsthändler Oncken ermöglichte die erste Einzelausstellung Otto Pankoks im Lappan. Viele dieser Exponate müssen leider als verschollen angesehen werden, sie gingen während des ersten Weltkrieges und später während des Nationalsozialismus verloren.

Im Herbst 1914 wurde Otto Pankok im Zuge der Mobilmachung zum Wehrdienst einberufen und schenkte seine Kate den Armen des Dorfes.

Nach Dötlingen kehrte er nicht wieder zurück, doch ein Teil der von ihm in dieser Zeit gemalten Bilder befinden sich als Dauerleihgabe im Besitz der Dötlingen Stiftung.

 
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